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Kältemittel R32 – wir haben beim Klimaprofi nachgefragt
Unser Profi Thomas Miles vor grauem Hintergrund

Kältemittel R32 – unser Profi klärt auf

Unser Klimaprofi Thomas Miles im Interview

Blogartikel

Spätestens mit dem Inkrafttreten der F-Gase-Verordnung 2015 begann die verstärkte Suche nach alternativen Kältemitteln. Mit R32 hat man einen aussichtsreichen Kandidaten gefunden. Doch in der Branche herrscht nach wie vor eine gewisse Verunsicherung, auch in Hinblick auf die Verschärfung der Verordnung in 2025. Deshalb haben wir Thomas Miles, Klimafachtechniker mit 23 Jahren Berufserfahrung, nach seiner ehrlichen Meinung und seinen persönlichen Erfahrungen gefragt.

AUF EINEN BLICK - R32 ist…

  • zukunftssicher
  • weniger umweltbelastend (GWP von 675)
  • mit dem richtigen Risikomanagement unproblematisch
  • ähnlich zu händeln wie R410A

Thomas Miles im Park mit einem Handy in der Hand

Zitat

„Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo man es findet“.

– THOMAS MILES // Kälteanlagenbauer

REDAKTION: Das Kältemittel R32 gilt als Alternative für R410A, das ja ab 2025 in Split-Geräten bis 3 Kilogramm Füllmenge nicht mehr zum Einsatz kommen darf. Könnest du uns einleitend etwas zu den Unterschieden und der Zusammensetzung sagen?

THOMAS MILES: R32 ist ein HFKW, also Fluorkohlenwasserstoff. Es besteht aus dem Grundstoff Methan, an den 2 Fluor-Atome angelagert sind. Deshalb nennt man es Difluormethan. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich bei meiner täglichen Arbeit, also bei der Installation von Single- und Multisplit-Systemen, eigentlich keinen großen Unterschied zu R410A feststellen kann. R32 war ja schon vorher zur Hälfte im Kältemittelgemisch R410A enthalten. Einen Unterschied merkt man nur in der höheren Anlageneffizienz und man braucht auch weniger Kältemittel. Aus meiner Sicht ist aber der größte Vorteil, dass wir R32 aufgrund des niedrigen GWP auch in Zukunft einsetzen können.

REDAKTION Das ist ein gutes Stichwort. Einige Kunden haben bei uns bereits die Sorge geäußert, dass auch R32 in Anlagen mit weniger als 3 kg Füllmenge verboten wird. Was sagst du dazu?

THOMAS MILES: Das wäre mir neu. Ab 2025 dürfen in den Anlagen ja nur noch Kältemittel mit einem GWP unter 750 eingesetzt werden. R32 hat einen GWP von 675 und kann daher auch in Zukunft genutzt werden. Meines Wissens nach ist da auch kein Verbot geplant, zumindest nicht bis 2030.

REDAKTION: Damit erledigt sich fast schon unsere nächste Frage nach dem GWP-Wert, also dem Global Warming Potential. Also ist R32 weniger umweltbelastend?

THOMAS MILES: Der Umweltaspekt ist auf jeden Fall ein großer Vorteil. Meine Kunden werden da immer sensibler und fragen nach möglichst umweltverträglichen Klimageräten. Viele informieren sich auch schon vorher im Internet und fragen ganz konkret nach Anlagen mit R32. Da ist es gut, ihnen sagen zu können, dass der GWP ungefähr dreimal geringer ist als der von R410A. Natürlich wird dadurch die Umwelt auch weniger belastet. Und für uns macht es auch Sinn, da in die Zukunft zu schauen. Mit R32 machen wir einen wichtigen Schritt zur Erfüllung der F-Gase Verordnung.

VRF-System mit R32 im Vergleich zu einem VRF-System mit RA10A

REDAKTION: Beim Thema Zukunft stellt sich auch die Frage nach der Verfügbarkeit. Bei R410A gab es zuletzt drastische Preisentwicklungen und Lieferprobleme. Wie sehen da deine Erfahrungen aus?

THOMAS MILES: Ja, da können wir ein Lied von singen. R410A wurde ja, wie alle Kältemittel, künstlich verknappt und war nicht nur schwer zu bekommen, sondern auch noch ganz schön happig. R32 ist aktuell gut zu bekommen und tatsächlich auch das günstigste Mittel am Markt, zumindest, wenn es um die Anwendung im Klimabereich geht. Das liegt daran, dass das Kältemittel einen geringeren GWP hat und deshalb mehr eingeführt werden darf.

REDAKTION: Das klingt bis hierher alles sehr positiv. Hast du in deiner Arbeit auch Nachteile erlebt? R32 ist ja zum Beispiel potenziell entflammbar.

THOMAS MILES: Ja, entflammbar ist es schon. Aber R32 ist trotzdem viel ungefährlicher als jetzt zum Beispiel Propan. Genauer gesagt ist R32 schwer entflammbar und setzt beim Verbrennen wesentlich weniger Wärmeenergie frei. Ich erklär das meinen Kunden immer so: In Ihrem Kühlschrank haben Sie höchstwahrscheinlich Propan und Butan als Kältemittel. Die sind extrem entzündbar und Sie können trotzdem ruhig schlafen, oder? (lacht).

Nein, Spaß beiseite. Natürlich muss man zum Beispiel bei der Wartung und auch bei der Montage ein paar Sicherheitsvorkehrungen treffen. Aber beim Löten wird zum Beispiel immer mit Stickstoff gespült. Da besteht also kein Risiko für eine Entzündung. Ob man im Betrieb ein Risiko-Management braucht, hängt von der Raumgröße ab. Das kann man zum Beispiel mit eurem A2L-Riskmanager rausfinden. Den kann ich tatsächlich guten Gewissens empfehlen.

REDAKTION: Und wie steht es mit dem Thema Toxizität, also ist R32 „giftig“?

THOMAS MILES: Auch da kann ich kurz und schmerzlos Entwarnung geben. R32 ist genau wie R410A oder R22 mit „A“ klassifiziert, also nicht giftig. Erstickungsgefahr besteht potenziell trotzdem bei großer Ansammlung in kleinen Räumen – darauf weisen wir aber auch immer hin.

Tabelle verschiedener Punkte des Kältemittel RA10A

REDAKTION: Ein wichtiges Thema für den Profi ist das Nachfüllen – wie verhält sich R32 beim Nachfüllen im Vergleich zu R410A?

THOMAS MILES: Das Nachfüllen läuft genauso wie bei anderen Kältemitteln. Nur dass man halt weniger benötigt. Im Vergleich zu R410A brauchen wir so 20 bis 30 % weniger Kältemittel. Das liegt an der größeren spezifischen Wärmekapazität. Es kann im Vergleich also mehr Wärmeenergie pro Kilogramm transportiert werden. Ein Vorteil ist auch, dass man wegen der niedrigeren Dichte in manchen Fällen auch geringere Rohrdurchmesser nehmen kann, wodurch wir dann auch weniger Materialverbrauch haben.

REDAKTION: Wie berechnet ihr denn die Kältemittelfüllmengen?

THOMAS MILES: Auch da kann ich den Kollegen einer eurer Rechner, das Piping Design Tool, ans Herz legen, oder andere Rechner im Internet. Das ist heutzutage wirklich ganz einfach.

Redaktion: Und noch ein wichtiges Thema beim Nachfüllen: Sollte man bei der Verwendung von R32 besser löten oder bördeln?

THOMAS MILES: Sagen wir es mal so: Nach DIN EN 378 und IEC 60335 ist eine lösbare Verbindung zwischen Rohrleitung und Innengerät erlaubt. In der Praxis kann Löten aber oft trotzdem sinnvoller oder sogar erforderlich sein. Je nach Projekt können die Sicherheitsstandards variieren – ggf. können dann nicht lösbare Verbindungen erforderlich sein.

REDAKTION: Musstet ihr eure Ausrüstung im Betrieb für R32 aufstocken? Zum Beispiel Adapter, Füllschläuche oder Manometer neu anschaffen?

THOMAS MILES: Im Großen und Ganzen nehmen wir das gleiche Arbeitsmaterial und die gleichen Werkzeuge wie für R410A. Solange Absauganlage und Vakuumpumpe für A2L-Kältemittel geeignet sind, ist alles in Ordnung. Es gibt aber auch Geräte, mit denen man keine brennbaren Gase absaugen sollte, darauf sollte man achten. Für die Kältemittelflaschen braucht man allerdings Adapter oder Füllstücke mit Linksgewinde – die Geräteanschlüsse sind aber dieselben wie bei R410A.

REDAKTION: Wie lautet denn dein Fazit? Ist die Zeit für R32 jetzt endgültig gekommen?

THOMAS MILES: Auf jeden Fall, die Vorteile liegen ja auf der Hand. Und R32 kommt ja jetzt auch schon vermehrt nicht nur in Single- und Multisplit-, sondern auch in VRF-Systemen zum Einsatz. Da kommt in Zukunft sicherlich noch mehr. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

City Multi Hybrid VRF

Produkt
Männer auf dem Dach arbeiten an einem City Multi Hybrid VRF-Außengerät

Ein Schritt in Richtung Zukunft

Die modernen Hybrid VRF-Systeme arbeiten mit City Multi VRF-Außengeräten, in denen R32 zum Einsatz kommt. Die Kombination aus reduzierter Kältemittelfüllmenge und niedrigem GWP-Wert verringert das anlagenspezifische CO2-Äquivalent auf unter 21 % gegenüber herkömmlichen VRF-Systemen mit R410A.

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