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Gas adé – wir haben beim Fachmann nachgefragt
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Alternativen zur Gasheizung

Unser Klima- und Heizungs-Profi Thomas Miles im Interview

Blogartikel 09.09.2022

48,2 Prozent der deutschen Haushalte nutzen Erdgas als Energieträger. Die Ukraine-Krise macht jedoch drastisch deutlich, wie problematisch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Gas ist. Seit dem 23.06.2022 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Viele Verbraucher:innen sind verunsichert: Neben starken Preissteigerungen befürchten sie auch Versorgungsengpässe und suchen nach Alternativen zur Gasheizung. Ein Umstieg auf ein anderes Heizsystem sollte jedoch gut durchdacht und geplant sein, schließlich begleitet diese Entscheidung Hausbesitzer:innen für die nächsten gut 20 Jahre. Deshalb haben wir Thomas Miles, einen Fachmann mit 24 Jahren Berufserfahrung, nach seiner ehrlichen Meinung und seinen persönlichen Erfahrungen gefragt.

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Abbildung Portrait Thomas Miles

Was viele nicht wissen: Auch mit einer Luft/Luft-Wärmepumpe kann man effizient heizen. Wer aktuell schnell sein Heizsystem wechseln möchte, sollte das als Option in Erwägung ziehen.

Thomas Miles // Fachmann für Klima- und Heiztechnik

Thomas, die Gas-Krise verändert unseren Blick auf die Themen Energie und Heizen im eigenen Zuhause. Schon jetzt spüren wir, wie stark die Preise ansteigen und blicken besorgt in Richtung Winter. Viele Menschen suchen jetzt nach Alternativen zu Gasheizungen. Welche kannst du empfehlen?

Wenn mich Kunden, die neu bauen, fragen, empfehle ich eigentlich immer eine Luft/Wasser- oder auch Erdwärmepumpe. Das ist einfach ein nachhaltiges Heizsystem mit Zukunft und wird auch noch vom Staat gefördert. Bei Kunden, die ihr Heizsystem austauschen wollen, prüfe ich die Möglichkeit eigentlich auch immer. Allerdings stellt sich dann immer wieder heraus, dass das nicht sofort sinnvoll oder auch gar nicht möglich ist, zum Beispiel wegen benötigter hoher Vorlauftemperaturen von über 50°C und wegen des energetischen Zustands des Gebäudes. Auch hier gibt es Maßnahmen, die den Einsatz eines wassergeführten Systems erlauben würden. Allerdings kommt jetzt erschwerend hinzu, dass aktuell die Wartezeiten auf diese Wärmepumpen-Systeme ziemlich lang sind, weil die Nachfrage so groß ist.

Ja, das Problem kennen wir natürlich auch. Welche kurzfristigen Möglichkeiten gibt es denn, sich aktuell möglichst Gas-unabhängig zu machen oder zumindest die Kosten für Gas zu senken?

Bei Thema Wärmepumpe denken viele sofort an die schon genannten Systeme. Was viele oft nicht im Blick haben, ist eine weitere Variante, die ebenfalls sehr effizient ist und grundsätzlich nach dem gleichen Prinzip heizt, nämlich die Luft/Luft-Wärmepumpe. Die empfehle ich zunehmend meinen Kunden – und das nicht nur im Gebäudebestand. Diese Möglichkeit ist in Deutschland noch wenig bekannt, weil Luft/Luft-Wärmepumpen in der Regel als Klimaanlagen vertrieben werden. Man kann sie auch sehr gut als Ergänzung zum bestehenden Heizsystem nutzen, um Gas oder Öl einzusparen.

In welchen Fällen kann denn eine Luft/Luft-Wärmepumpe ein Heizsystem ersetzen?

Nahezu in allen – dann aber abhängig von der jeweiligen Situation und in unterschiedlichen Ausprägungen. Das ist der Vorteil des Luft/Luft-Systems, dass es sehr flexibel an den Gegebenheiten ausgerichtet eingesetzt werden kann, also zum Beispiel an den Gebäudezustand und auch die finanziellen Möglichkeiten und die Wünsche des Betreibers.

Wie würde dann die Lösung aussehen, wenn man die Luft/Luft-Wärmepumpe als Ergänzung verwendet?

Luft/Luft-Wärmepumpen sind ja nicht in das Wärmeverteilsystem der bestehenden Anlage eingebunden, sondern bilden eine eigenständige Einheit, weshalb sie sehr flexibel eingesetzt werden können. Da kommt es dann also ganz auf das Anlagenkonzept der Wärmepumpe an. Es können nur ein Raum oder wenige Räume oder auch nahezu alle Räume mit der Luft/Luft-Wärmepumpe ausgestattet werden. Davon hängt dann ab, wie die Wärmepumpe eingesetzt wird. Bei einem oder wenigen Geräten entlasten sie nur den Verbrauch in diesen Räumen. Nutzt man sie neben der Heizung in vielen Räumen, kann eben noch mehr Gas oder Öl gespart werden.


Welche Haupt-Heizsysteme können denn mit einer Luft/Luft-Wärmepumpe unterstützt werden?

Da gibt es eigentlich keine Einschränkungen. Die Luft/Luft-Wärmepumpe kann man zum Beispiel mit einer wassergeführten Wärmepumpe oder auch einem fossilem Heizsystem kombinieren. Das ist eigentlich der häufigste Fall.

Gibt es neben dem Einsparen von fossilen Brennstoffen weitere Vorteile?

Der große Vorteil ist natürlich der Zeitfaktor. Luft/Luft-Wärmepumpen sind zum einen schnell zu bekommen, da gibt es also keine langen Wartezeiten. Und im Vergleich zu den anderen Wärmepumpentypen sind die auch ruckzuck montiert und benötigen keine langen Vorplanungen. Und auch die vergleichsweise geringen Kosten sind natürlich ein dickes Plus.

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Abbilung Portrait Thomas Miles

Die Luft/Luft-Wärmepumpen gehen mit der eingesetzten Energie sehr effizient um, was sich dann positiv auf die Stromkosten auswirkt.

Thomas Miles // Fachmann für Klima- und Heiztechnik

Wo wir grad bei Kosten sind. Wie sieht es denn mit den Stromkosten aus?

Wichtig ist vor allem zu wissen, dass Luft/Luft Systeme wie alle anderen Wärmepumpen nicht mit Strom heizen, sondern den Strom nur als Antriebsenergie nutzen. Die Energie für die Beheizung der Räume wird größtenteils aus der Außenluft entnommen – und das funktioniert auch bei tiefen Temperaturen. Ein Luft/Luft-System erzeugt mit 1 kWh Strom ca. 4-5 kWh Wärme. Im Vergleich erzeugt die Gasheizung bei gleichem Stromverbrauch nur ca. 1 kWh Wärme. Die Luft/Luft-Wärmepumpen gehen mit der eingesetzten Energie also sehr effizient um, was sich dann positiv auf die Stromkosten auswirkt. Der absolute Idealfall wäre natürlich, wenn man dann noch seinen Strom selbst mit einer Solaranlagen erzeugt.

Wenn ich mich jetzt für eine Luft/Luft-Wärmepumpe entscheide, was muss ich dann beim Kauf beachten?

Ich würde da jetzt nicht auf Teufel komm raus irgendein Klimagerät kaufen, auf dem steht, dass man damit auch heizen kann. Da sollte man schon auf gute Qualität, Verarbeitung, Langlebigkeit und Effizienz setzen. Ihr baut ja selbst die Kältemittelverdichter, also das Herzstück jeder Wärmepumpe, und wisst wahrscheinlich noch besser als ich, dass es da große Unterschiede gibt. Ein guter Richtwert ist neben der Energieeffizienzklasse der schon erwähnte SCOP-Wert. Das ist der Durchschnittswert für den saisonalen Energieverbrauch des Gerätes im Heizmodus. Je höher dieser Wert ist, desto effizienter wird der Strom genutzt. Die Anlagen sollten schon einen SCOP von mindestens 4 haben. Je mehr desto besser natürlich.

Die „bekannten“ Wärmepumpen werden ja staatlich gefördert. Gilt das auch für die Luft/Luft-Wärmepumpe?

Die BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude) fördert ja den Einsatz von erneuerbaren Energien und von allen Systemen, die das Gebäude effizienter machen. Wärmepumpen gehören unbestritten dazu, deshalb werden die aktuell mit den höchsten Fördersätzen bezuschusst. Luft/Luft-Wärmepumpen gehören als gleichwertiges System selbstverständlich auch dazu. Da gibt es eine Basisförderung für alle Wärmepumpen, das sind 25 %. Wenn Sie dann noch einen fossil betriebenen Kessel vollständig damit ersetzen, gibt es nochmal 10 % als Bonus obendrauf. Und das betrifft alle förderfähigen Kosten, also nicht nur die Geräte, sondern auch die Installation und die Arbeitszeit und so.

Ich fasse einmal zusammen: Vor allem, wenn Hauseigentümer:innen keine langen Wartezeiten in Kauf nehmen möchten und trotzdem ein effizientes, nachhaltiges System suchen, ist eine Luft/Luft-Wärmepumpe eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung. Darüber hinaus ist sie noch vergleichsweise kostengünstig in der Anschaffung und im Betrieb. Hast du dem noch was hinzuzufügen?

Was ich ganz vergessen hatte, zu erwähnen, ist, dass man mit dem System natürlich noch die Vorteile einer guten Klimaanlage obendrauf bekommt. Also zum einen natürlich das Kühlen im Sommer, was bei den aktuellen Sommern und auch in Zukunft ja im privaten Bereich immer relevanter wird. Und zum anderen noch viele Komfortlösungen, die keine andere Wärmepumpe, geschweige denn ein Heizkessel, bieten können. Da ist zum einen die Entfeuchtung von Räumen, die der Schimmelbildung vorbeugt, und auch die Filterung der Luft gegen Pollen oder Feinstaub. Aber auch Extras wie die smarte Steuerung und bei manchen Systemen auch die Personenerkennung im Raum zur Luftstromlenkung. Im Vergleich zu anderen Wärmepumpen kann das nur die Luft/Luft-Variante und ist dazu noch die leiseste.

Und was ich noch betonen will, ist, dass man sich vor der Anschaffung ausgiebig von einem Fachbetrieb beraten lassen sollte. Die können dann die Geräte auf die Gegebenheiten vor Ort perfekt abstimmen und begleiten die Kunden natürlich auch später bei den Themen Wartung und Filterwechsel.

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