Luft/Luft-Wärmepumpe statt Nachtspeicheröfen
Energetische Sanierung für Wohnungsgesellschaft
EssenIn Sachen Dekarbonisierung ist die Todo-Liste im Bestandssegment groß: Rund 4 Millionen Wohnungen werden derzeit noch über Gas-Etagen-Heizungen oder Nachtspeicheröfen dezentral versorgt. Eins davon ist das Mehrfamilienhaus der LEG Immobilien SE, das 1955 in Essen erbaut wurde und in dem die fünf Wohnungen mit Elektro-Nachtspeicherheizungen dezentral beheizt werden. Eine Lösung, die wenig effizient ist: Aus einer Kilowattstunde Strom erzeugen die Öfen lediglich eine Kilowattstunde Wärme. Das geht besser, befanden die Projektverantwortlichen und machten sich auf die Suche nach einer Lösung, die effizienter ist und das Projektziel – eine deutliche Reduktion des CO2-Ausstoßes – erfüllt.
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- Effiziente Lösung mit geringem CO₂-Ausstoß
- Ohne wassergeführte Heizungsstränge realisierbar
- Schnelle und minimalinvasive Installation im Bestand
- Möglichst geringe Belastung für die Mieter:innen
- Lösung mit niedrigen Investitions- und Betriebskosten
Für welche Lösung hat sich die LEG entschieden?
Luft/Luft-WärmepumpeLuft/Luft-Wärmepumpe als Matchwinner
Gefunden wurde sie nicht wie sonst meist üblich in einer Luft/Wasser-Wärmepumpe, sondern in der hierzulande bislang eher kaum als Heizlösung eingesetzten Luft/Luft-Wärmepumpe. Ebenso wie die Luft/Wasser-Wärmepumpe bezieht dieses System seine Energie aus der Außenluft. Der wesentliche Unterschied liegt in der Wärmeverteilung: Anstatt die Energie auf das Heizungswasser im Heizkreislauf zu übertragen, wird sie direkt über einen Kältemittelkreislauf und installierte Innengeräte an die Raumluft abgegeben. Dabei sind die Innengeräte hocheffiziente Wärmeübertrager – deutlich effizienter als übliche Heizkörper. Was die Luft/Luft-Wärmepumpe ebenfalls unterscheidet: Es muss keine zusätzliche Wärmequelle wie z.B. Erdsondenbohrungen oder Flächenkollektoren erschlossen werden. Ein großer Vorteil also in Sachen Zeit und Geld.
Neben diesen Vorzügen war vor allem die Tatsache, dass in dem Gebäude keine wassergeführten Heizungsstränge vorhanden sind, ausschlaggebend für die Wahl der Luft/Luft-Wärmepumpe. „Die Luft/Luft-Wärmepumpe ist eine Lösung, die ohne zentrale Heizungsverteilung auskommt“, erklärt Tim Blasberg, Geschäftsführer der dekarbo° GmbH, die mit der Umrüstung beauftragt war. Gerade bei ehemaligen Nachtspeicherwohnungen ist das ein großer Vorteil, weil die bestehenden elektrischen Systeme effizient ersetzt werden können, ohne dass große Eingriffe in die Gebäudestruktur vorgenommen werden müssten.
Multi-Splitsysteme von Mitsubishi Electric
Lösung und InstallationLösung und Installation im Detail
Pro Wohnung wurden Multi-Splitsysteme von Mitsubishi Electric verbaut, wobei eine Außeneinheit und je nach Wohnungsgröße und Anzahl der Räume drei bis vier Innengeräte der M-Serie mit Leistungsgrößen zwischen vier und acht Kilowatt zum Einsatz kommen. „Grundsätzlich können die Außengeräte auf unterschiedliche Arten montiert werden. Entweder kommen sie auf einem Bodengestell, an der Wand oder auf dem Dach zum Einsatz, wobei die Dachlösung in der Regel etwas aufwendiger ist“, erklärt Niklas Heuwes, der seit einem Jahr als Klimatechniker bei der Firma dekarbo° GmbH arbeitet.
Im Rahmen der Planung wurde zunächst sehr genau geprüft, wo die Außeneinheiten platziert werden können und wie sich die Innengeräte optimal integrieren lassen. Ein entscheidendes Kriterium für die Platzwahl der Außenmodule ist die Frage: Wie lässt sich die Schallbelastung möglichst geringhalten? Entsprechend wurden die Außengeräte möglichst entfernt von Fenstern oder Aufenthaltsbereichen an der Außenfassade oder ebenerdig an der Hauswand angebracht. Die kompakten Wandinnengeräte fanden ihren Platz oberhalb der Türrahmen, da sie hier am wenigsten stören.
Faktor Zeit
Faktor ZeitSchnelle Umrüstung in bis zu drei Tagen
Insgesamt dauerte der Umbau von den Nachspeicheröfen auf das Luft/Luft-Wärmepumpensystem pro Wohnung rund zwei bis drei Tage. Während am ersten Tag die Kernbohrungen gesetzt und die notwendigen Leitungen für Elektrik und Kältetechnik verlegt wurden, stand am zweiten Tag die Montage und der Anschluss der Innengeräte an.
Anschließend erfolgte die Inbetriebnahme der Außengeräte sowie kleinere Nacharbeiten und die Reinigung der Wohnung. „Unsere erfahrenen Monteure arbeiten möglichst sauber und minimalinvasiv, um die Belastung für die Mieter, die während des Umbaus in ihren Wohnungen bleiben können, so gering wie möglich zu halten“, erklärt Blasberg und ergänzt: „Generell ist es uns sehr wichtig, die Mieter gut mitzunehmen. Um das zu schaffen, bieten wir ein Mieterportal an und erklären gemeinsam mit unseren Monteuren ausführlich die Bedienung und effiziente Nutzung der Anlagen.“
Zitat
Zitat
Für uns als Klimatechniker ist die Installation ein standardisierter und vergleichsweise einfacher Prozess, weil die Komponenten klar aufgebaut sind und effizient montiert werden können. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Mitsubishi Electric gemacht. Die Systeme sind zuverlässig und die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut.“
Klare Vorteile der Luft/Luft-Wärmepumpe
VorteileEffizient heizen, angenehm kühlen
Der große Vorteil der Luft/Luft-Lösung liegt in der schnellen und vergleichsweise einfachen Installation im Bestand. Doch nicht nur das. Ein weiterer ganz großer Vorteil ist die Vielseitigkeit. So können die Luft/Luft-Wärmepumpen nicht nur bei niedrigen Temperaturen im Winter effizient für warme Räume sorgen. Sie sind auch eine ideale Lösung, um den immer heißer werdenden Sommer durch eine angenehme Kühlung der Räumlichkeiten zu trotzen. Damit bringen die Geräte einen echten Mehrwert mit – und das bei niedrigeren Nebenkosten.
Schließlich erzeugt die Wärmepumpe aus einer Einheit Strom etwa drei bis vier Einheiten Wärme. „Der wesentliche Unterschied zu älteren elektrischen Heizsystemen ist die hohe Effizienz der Wärmepumpe“, bestätigt auch Niklas Heuwes. Was neben der Klimatisierung den Komfort ebenfalls steigert, ist die Möglichkeit, die Temperatur individuell pro Raum zu regeln. Jede Menge Punkte, von denen Mieterinnen und Mieter profitieren können.
Geringe Kosten und attraktive Förderung
Doch auch Eigentümer:innen haben Grund zur Freude. So sind die Investitionskosten vergleichsweise niedrig. Abhängig von Wohnungsgröße und Anzahl der Innengeräte ist mit etwa 10.000 Euro bis 13.000 Euro pro 2-3-Zimmer-Wohnung zu rechnen. Kosten, die die Luft/Luft-Wärmepumpe wirtschaftlich sehr attraktiv machen.
Zumal mit attraktiven Zuschüssen gerechnet werden kann. Denn da die Luft/Luft-Wärmepumpen hocheffiziente Wärmeversorger sind, die in Sachen Effizienzwerte mit Luft/Wasser- und Sole/Wasser-Wärmepumpen mithalten können, werden auch sie von der Bundesförderung Effiziente Gebäude (BEG-EM) unterstützt.
Mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bietet das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) ein umfangreiches Förderprogramm über die KfW an, mit dem auch Unternehmen auf erneuerbares Heizen umsteigen und die Energieeffizienz in ihren Gebäuden steigern können. Gefördert werden 30 Prozent bei Unternehmen bzw. bei privaten Eigentümer:innen bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten für den Einbau einer klimafreundlichen Heizung auf Basis von Erneuerbaren Energien.
Die wichtigsten Punkte
Zusammenfassung- In einem Mehrfamilienhaus der LEG Immobilien SE in Essen wurden ineffiziente Elektro-Nachtspeicherheizungen durch Luft/Luft-Wärmepumpen ersetzt.
- Die gewählte Lösung kommt ohne wassergeführte Heizungsstränge und ohne große Eingriffe in die Gebäudestruktur aus.
- Pro Wohnung wurden Multi-Splitsysteme von Mitsubishi Electric mit einer Außeneinheit und drei bis vier Innengeräten installiert.
- Die Umrüstung dauerte pro Wohnung nur zwei bis drei Tage und erfolgte minimalinvasiv, sodass die Mieter:innen in ihren Wohnungen bleiben konnten.
- Die Luft/Luft-Wärmepumpen ermöglichen sowohl effizientes Heizen im Winter als auch angenehmes Kühlen im Sommer.
- Aus einer Einheit Strom erzeugen die Wärmepumpen etwa drei bis vier Einheiten Wärme; zugleich lässt sich die Temperatur für jeden Raum individuell regeln.
- Mit Investitionskosten von etwa 10.000 bis 13.000 Euro pro Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnung und attraktiven Fördermöglichkeiten ist die Lösung auch wirtschaftlich interessant.

